Konsumästhetik

Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen

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Dissertationsprojekt von Annemarie Opp

Liebe und Konsum

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Zu einem Zusammenhang in der Literatur
vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart

Liebe und Kapitalismus, Liebe und Geld, Liebe und Konsum: Diese vormals und insbesondere seit der Romantik und dem Einsetzen des Konzepts der romantischen Liebe als grundsätzlich unvereinbar gedachte Oppositionen − Liebe sollte als ein letztes Residuum menschlicher Existenz markiert werden, das noch nicht vom kapitalistischen Markt vereinnahmt ist − erweisen sich bei näherer Betrachtung, insbesondere seit der Entstehung der modernen Konsumgesellschaft ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als unhaltbar. Darauf macht nicht zuletzt die Literatur aufmerksam: Der erste Kaufhausroman der Literaturgeschichte, Emile Zolas Au Bonheur des Dames, beschreibt nicht nur den Konsum in einem der ersten großen Department Stores Europas bis in die kleinsten Details, sondern beinhaltet signifikanterweise auch eine − gar glückende − Liebesgeschichte.

Die Verwobenheit des Gefühls der Liebe einerseits mit dem Konsum als einer grundlegenden Praktik andererseits wurde bislang vor allem von soziologischer Seite nachgewiesen – dies ist jedoch in der Literaturwissenschaft bisher nur auf ein geringes Echo gestoßen. Die Verflochtenheit von Liebe und Konsum muss dabei, so zeigen die soziologischen Studien Eva Illouz’ und Daniel Millers, nicht notwendigerweise primär der Gegenstand von Konsumkritik sein, sondern kann jenseits dessen als Ausgangspunkt für die Analyse moderner Subjektivität in einer ihrer charakteristischsten, wenngleich ambivalenten Zustandsformen begriffen werden.

Anhand literarischer Texte arbeitet das Projekt heraus, wie Liebesbeziehungen grundlegend von käuflichen Dingen und dem Umgang mit ihnen geprägt werden (Gabe, Geschenk, Sammlung, Gebrauch, Fetisch). Einsetzend mit der Verhandlung des Zusammenhangs um 1900 soll über die Popliteratur der 60er/70er Jahre der Bogen zur Gegenwart gespannt werden: Liebe wird in gegenwärtigen Romanen mit großer Selbstverständlichkeit und in denkbar breiter Nuancierung vor dem Hintergrund von Szenarien der Käuflichkeit dargestellt, sie formiert und manifestiert sich als materielle Kultur. Dabei greifen die zu untersuchenden Romane ebenso zentrale Problemlagen der Texte um 1900 auf wie sie sich auf Empfindsamkeit sowie Romantik und damit den Ursprung der romantischen Liebe beziehen.



Im Rahmen des Teilprojekts:

Künsterlische Verhandlungsformen
des Konsums



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