Konsumästhetik

Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen

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Forschungsprojekt

Konsumästhetik
Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen

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Der Forschungsverbund widmet sich der kritischen Analyse des Konsums als Praktik gegenwärtiger Gesellschaften. Es geht um eine wissenschaftliche Haltung gegenüber Konsumgütern und dem Umgang mit ihnen, die sich weder als vorentschiedene Kritik am konsumistischen Materialismus und seinen vermeintlichen Pathologien noch als marktliberale Affirmation des Konsums versteht. Stattdessen soll die differenzierte und neutrale Betrachtung dessen stehen, womit und wovon wir leben: Konsumgüter sind ubiquitär, sie dienen nicht bloß der unmittelbaren Reproduktion. Ihre Aneignung hat vielmehr grundsätzlichen Anteil an der Ausgestaltung menschlicher Identität.

Eine Hauptrolle spielt in diesem Zusammenhang die Ästhetik des käuflichen Dings. Konsumgüter kennzeichnet eine ausgeklügelte Oberflächengestaltung, die meist als Manipulation des Kunden verstanden worden ist. Warenästhetik galt in der Nachfolge Wolfgang Fritz Haugs insofern als pejorativer Begriff, sah man in ihr doch die Autonomie des Ästhetischen negiert. Im Zuge der kulturwissenschaftlichen Wende der Geisteswissenschaften hat sich indessen ein Blick auf das Ästhetische etabliert, der auch Phänomene des Alltagslebens als Ort der Aufbewahrung, des Arrangements und der Reflexion materialisierten kulturellen Wissens begreift. Insbesondere die Popkultur seit den 1960er Jahren hat neue, spezifisch ästhetische Rezeptionsweisen hervorgebracht, die sich nicht mehr länger auf Produkte der Hochkultur, sondern ausdrücklich auf solche der Massenkultur beziehen. Überflussgesellschaften machen ästhetische Weltverhältnisse zudem zum Gemeingut: Die ästhetisch-semiotische Besetzung von und Identifikation mit kulturindustriellen Gegenständen, von Verbrauchsgütern und Alltagsgegenständen über technische Geräte bis hin zu Mode, Filmen und Popsongs, prägt die Generationen seit Mitte des 20. Jahrhunderts in zunehmendem Maße. Sie fordert zu ihrer adäquaten Beschreibung eine ästhetische Theorie, die sich vom Autonomieideal löst und die neue Ästhetik als Teil von kulturpoetischen Strategien und kulturellen Praktiken begreift.

Soziologisch und historisch ist das Phänomen des Konsums bereits genauer untersucht worden. Seine ästhetischen Komponenten sind dabei auch in den Blick gerückt, allerdings eher benannt als systematisch analysiert worden. Um letzteres zu leisten, knüpft das Projekt einerseits an eine Tradition an, die sich ausgehend von Autoren wie Gabriel Tarde, Thorstein Veblen, Georg Simmel oder Werner Sombart mit unterschiedlichen Akzentuierungen den Stilen des Konsums gewidmet hat. In der Fortentwicklung dieser Ansätze und vor dem Hintergrund der neueren material culture und visual culture studies beansprucht dieses Projekt andererseits, die Interaktion zwischen Konsumgütern und Konsumenten mit Fokus auf den jeweiligen zeitgenössischen Praktiken zu betrachten.

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