Konsumästhetik

Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen

X

TEILPROJEKT

Konsum-Objekte im bewegten Bild, Bildkonsum und Bildproduktion

previousnext

Bilder sind Teil eines sogenannten „impression management“ (Goffmann 1959), das vor allem durch Formen der Selbstinszenierung und -darstellung von Subjekten mit − nicht selten käuflichen − Objekten gestaltet wird. Die Darstellung solcher Konsumobjekte und ihrer Materialität in technischen Bildern (Flusser 1990) im Zusammenhang mit Selbstdarstellungen auf Netzwerk- und Multimediaplattformen ist wesentlicher Bestandteil der zeitgenössischen digital durchwirkten Kultur. Getreu dem Prinzip des „Mash-up“ (Gehlen 2010, siehe auch „Mediaremix“ Richard 2010) verwenden UserInnen u.a. TV-Sendungen, Werbung, Musikvideos oder Computerspiele als visuelles Rohmaterial für eigene Bildschöpfungen. Ein Video bildet somit den Ausgangspunkt für die virale millionenfache Verbreitung einer medienstrukturell bedingten, gänzlich neuen visuellen Form.

Dennoch ist die Relevanz der Bildlichkeit von Objekten im Medienrepertoire (Schmidt/Paus- Hasebrink/Hasebrink/Lampert 2009) für die kulturellen Mechanismen des Web 2.0 bislang nur unzureichend untersucht worden. Die aktuelle, meist mediensoziologische Forschung klammert die spezifisch (medien-)ästhetische Komponente des Konsums aus und interessiert sich vorwiegend für sozialökonomische Aspekte (vgl. z.B. Meckel 2008) oder für Fragen sozialer Gemeinschaft (Neumann-Braun/Autenrieth 2011). Das Projekt wird deshalb die typischen Bilder des Konsums systematisch erfassen und auswerten. Diese Evaluation basiert auf dem Materialarchiv einer zu erstellenden Bilddatenbank sowie auf konkreten Fallanalysen, sie verfährt mithilfe ikonografischer oder medienstruktureller Methoden der (Online-) Ethnographie Es geht darum, die Darstellung des Umgangs mit Waren im virtuellen Raum, die medialen und visuellen Bedingungen ihrer Entstehung sowie ihre virale Verbreitung zu erforschen. Dabei soll herausgearbeitet werden, wie sich die Objektbeziehung der Akteure im medialen Bild manifestiert. Wie wird Objektbesitz, zum Beispiel in der Präsentation von ‚Shopping Ausbeuten‘, zu einer neuen Bildästhetik arrangiert, die nur in der Medienstruktur von YouTube möglich ist? Der Rede von einer kommerziell motivierten Bilderflut soll die Analyse der Beherrschung von Bildern durch Aneignung und Bearbeitung mittels digitaler Bildapparate in Ritualen und ästhetischen Strategien entgegengestellt werden. Das Untersuchungsfeld ist das Web 2.0, hier im Speziellen seine bewegten Bilder in sozialen Netzwerken und Plattformen wie YouTube. Das Ergebnis wird in einer visuellen Typologie der vernetzten Darstellung von Konsumobjekten bestehen, die den besonderen Stellenwert der visuellen objekthaften Selbstinszenierung als Indikator für kulturellen und gesellschaftlichen Wandel deutlich macht.

Beteiligte Personen:

Prof. Dr. Birgit Richard

Eleni Blechinger

Katja Gunkel



Unboxing als Erweiterung des Konsumfetisch
Dissertationsprojekt von Eleni Blechinger

Zur Ästhetik des Imperfekten
Dissertationsprojekt von Katja Gunkel

previousnext